Kleinstadt Klimafit Ein Projekt von GoingVis

Wie kann man Gegenwart und Zukunft atmen und anfassen?

Erster Waldspaziergang des Klimaschutzprojektes Leuchtturm Louis

(c) Veit Rösler

Erlebnisspaziergang Zukunftswald

Verbandsgemeinde Liebenwerda

Die heißen und niederschlagsarmen Sommer 2018 und 2019 erzeugten Trockenstress. Die Wasserknappheit führt dazu, dass viele Bäume nicht mehr genug Harz produzieren können, um sich wirksam gegen Schädlinge zu schützen . Ihre Widerstandsfähigkeit lässt nach, sie werden zerfressen und sterben ab.

Da mittlerweile große Waldareale betroffen sind, steigt die Verunsicherung in der lokalen Bevölkerung, wie sich die Situation in Zukunft entwickeln wird. Der Wunsch nach einer Informations- und Gesprächsplattform war groß.

Unter dem Motto „Holz, Wald und wir!“ begann im Mai 2020 die Plattform Leuchtturm LOUISE das Format Waldspaziergänge zu entwickeln. Hierbei handelt es sich um begleitete Exkursionen durch private und öffentliche Waldareale der Verbandsgemeinde Liebenwerda.

Durch das Erleben eines „klimaangepassten Zukunftswaldes“, der seit circa 15 Jahren von einer Monokultur aus Kiefern zu einem Mischwald umgebaut wird, sollten Veränderungen konkret erlebbar und dadurch Waldbesitzer*innen und Gäste zur Nachahmung motiviert werden. Darüber hinaus wurde ein fachlicher Austausch zwischen den Teilnehmer*innen, zum Beispiel zwischen Kleinstwaldbesitzer*innen, angeregt. Der Forstingenieur und Walddienstleiter Christoph Mertzig vom Projekt „Wälder für Menschen“ leitete den Erlebnisspaziergang.

Ein Vorläufer der Waldspaziergänge ist das Projekt „KlimaWandelFit - Zielgruppenorientierte Bildungsmodule zur Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen in Flusseinzugsgebieten“ der Stadt Uebigau-Wahrenbrück (2016-2018).

Eine Anleitung zu Erlebnisspaziergängen finden Sie hier.

Wie kann so ein Projekt finanziert werden?

Die Plattform übernahm das Honor für den Impulsgeber.
Leuchtturm LOUISE Förster Kleinstwaldbesitzer*innen Gemeideräte Presse
Leuchtturm LOUISE entwickelte das Format des Erlebnisspaziergangs zusammen mit (r)evolutionäre ideen + Tolk und dem Förster Christoph Merzig.
Der Förster und Waldienstleister Christoph Mertzig von „Wälder für Menschen“ gab eine fachlichen Impuls, leitete den Spaziergang und antwortete auf viele Fragen.
Teilnahme
Teilnahme
Teilnahme, Interview und Berichterstattung
Leuchtturm LOUISE entwickelte das Format des Erlebnisspaziergangs zusammen mit (r)evolutionäre ideen + Tolk und dem Förster Christoph Merzig.
  • Erster Waldspaziergang des Klimaschutzprojektes Leuchtturm Louis

    (c) Veit Rösler

  • (c) Jens Berger

  • (c) Claus

Was kann entstehen?

Das Format ermöglichte eine praktische Wissensvermittlung in relativ kurzer Zeit. Indem die Teilnehmer*innen das bereits realisierte Zukunftsbild eines klimastabilen Waldes erlebten, wurden sie zur Nachahmung motiviert.

Die Teilnehmer*innen kamen auf eine sehr informelle Art in Kontakt und es entstand ein Dialog auf Augenhöhe.

Durch das Erlebnis wurde das Bewusstsein gestärkt, nicht allein und passiv sein zu müssen, sondern auch gemeinsam etwas tun zu können.

Wie kann es weitergehen?

Die Kooperation von Leuchtturm LOUSIE und „Wälder für Menschen“ hat sich intensiviert. Eine Projektidee „Waldnachbar“ (Internetseite zur Vernetzung von Kleinstwaldbesitzer*innen) wurde entwickelt und beim Ideenwettbewerb „Soziale Innovationen“ eingereicht.

Die Idee eines erlebnispädagogischen „Waldhofes LOUISE“ wird aktuell entwickelt.

Wenn es gelänge, das Format weiter zu transportieren, könnten im Gebiet der Verbandsgemeinde Liebenwerda viele regionale Waldumbauinitiativen entstehen, die in die Fläche ausstrahlen.

TIPPS

Gemeinsame Aktionen während des Waldspaziergangs könnten das Gruppenerlebnis nachhaltig stärken, zum Beispiel das Pflanzen von Setzlingen mit Schutzhülle gegen Verbiß durch Wild.

Eine Anleitung zu Erlebnisspaziergängen finden Sie hier.

Wie funktioniert ein Erlebnisspaziergang?

Ziele

Lokale Orte und Themen aus der Perspektive der Klimapassung wahrnehmen, verstehen und gemeinsame Projektideen entwickeln

Zielgruppen

Bürger*innen

Organisierte Akteure

Politiker*innen

Verwaltungsmitarbeiter*innen

Personen

8-12

Dauer

2-3 h

Wie Erlebnisspaziergänge für Klimaanpassung funktionieren

Erlebnisspaziergänge erlauben es, Menschen bei ihren Themen und in der Gegenwart abzuholen und dann die Verbindung zu Klimaanpassung zu erarbeiten. Sie lernen auch, welche Bürger*innen oder Akteure die Plattform unterstützen möchten und welche Kooperationsmöglichkeiten es geben könnte.

Durch die Besuche bestimmter Orte und ihrer genauen Betrachtung durch die Augen verschiedener Teilnehmer*innen können Bedürfnisse oder Probleme beschrieben und erkannt werden. Zum Beispiel die starken Einschränkungen der schlechten Begehbarkeit eines Marktplatzes und die zusätzliche Belastung in Hitzetagen, die zu eingeschränkten sozialen Kontakten von Senior*innen und einer eingeschränkten Mobilität von Eltern mit Kinderwägen führt. Sehr klare, erfahrbare Probleme werden mit Auswirkungen des Klimawandels in Beziehung gesetzt; gleichzeitig werden vor Ort auch direkt Lösungsoptionen gesammelt, abgeschritten, angezeichnet und Kooperationen angestoßen. Veränderungen durch den Klimawandel werden greifbar, genauso wie Lösungen.

Erlebnisspaziergänge bieten genügend Zeit, um die eigene Rolle zu erkennen. Wissen und Ideen können aufgenommen werden, ohne sie gleich zu bewerten. Unterschiedliche Standpunkte werden genannt, die Teilnehmer*innen haben in einem positiven Format Zeit, sich damit auseinanderzusetzen, zu lernen und Vielfalt wertzuschätzen.

Durch Gruppengrößen von 8-12 Personen und eine schrittweise Bewegung entstehen viele ungezwungene Gesprächssituationen, bei der Menschen auf der Basis des gemeinsamen Erlebens ins Gespräch kommen. Sie beginnen, Geschichten zu erzählen (Wo komme ich her? Was macht dieser Ort mit mir? Was könnten wir gemeinsam tun?). Der kontinuierliche Perspektivwechsel, der beim Gehen entsteht, öffnet den Geist und schafft eine Distanz zu Gedanken, die oft mit Routinen verbunden sind (zum Beispiel Kommentare am Frühstückstisch).

Beispielsweise schuf die Stand-Up-Paddle Tour in Boizenburg, die auch an der alten Werft vorbeiführte, einen „magischen“ Moment. Das Neue in der Form vieler bunter Surfbretter mit mutigen Menschen kam in einem Bild zusammen mit der industriellen Vergangenheit.

 

Vorbereitung

In der Vorbereitung wählen Sie Orte und Fragen für den Erlebnisspaziergang aus. Sie können hierfür mit lokalen Expert*innen zusammenarbeiten, die sich beispielsweise mit Fragen der Gesundheit oder des Waldumbaus auskennen.

Gehen Sie die Route gemeinsam ab und lassen Sie sich bereits hier auf Ihre eigene Wahrnehmung ein. Ansonsten gilt: Nicht zu viel planen, einfach losgehen!

 

Durchführung

Kurze Einführung und Vorstellungsrunde, Lockerungs- oder Wahrnehmungsübungen

Gemeinsamer Aufbruch und Laufen der Route

Für die Dokumentation bietet sich an, dass die Expeditionsleitung eine Person bittet, die wichtigsten Punkte festzuhalten. „O-Töne“ und Fotos helfen Ihnen, später die Ergebnisse anschaulich zu kommunizieren.

Zum Abschluss sind Getränke und gegebenenfalls ein kleiner Snack eine schöne Geste. Frage Sie, wie die Teilnehmer*innen die gemeinsame Reise erlebt haben, was sie mitnehmen und ob Sie Lust haben, die entstandenen Ideen weiterzudenken und vielleicht auch umzusetzen.

Nachbereitung

Die Dokumentation können Sie anhand der Stationen aufbauen und jeweils ein Foto, aktuelle Probleme und mögliche Auswirkungen des Klimawandels sowie und Ideen für Veränderungen notieren.